Jeder Mensch ist einzigartig und wertvoll

 

Historische Entwicklung der Johann-Eisterer-Landesschule am Caritas-Gelände von St. Pius

 

 

 

1931 hatte der Reichstagsabgeordnete und langjährige Bürgermeister von Steegen Johann Eisterer den Altbau des heutigen Institutes, zu dem  noch ein Wirtschaftsgebäude und ein Grundbesitz gehörte, dem Bischof mit dem Wunsch übergeben, dass der Besitz für kirchlich karitative Zwecke verwendet werden möge.

 

 

 

1938 wurde das Anwesen vom NS-Regime enteignet und besetzt.

 

Nach dem Krieg, von 1946 bis 1957 war das Gebäude an die Landesfürsorge vermietet, es diente in dieser Zeit als Kinder- und Waisenheim.

 

Am 3. September 1957, dem Fest des hl. Vaters Pius X. ging der Besitz wieder in die Verwaltung der Diözesancaritas über. Dies wurde zum Anlass genommen, das Haus nach ihm zu benennen.

 

 

 

Genau am 7. Oktober 1957 konnten die ersten 20 behinderten Kinder aufgenommen werden, die Schule startete im Jänner 1958 mit 30 Kindern in 2 Klassen.

 

Schule und Heim waren damals untrennbar verwoben; alle Schüler waren gleichzeitig auch Heimbewohner und in der Schule unterrichteten mehrere geistliche Schwestern, die auch das Heim führten.

 

An der Entstehung und der Entwicklung der Schule war Herr Dr. Fuchs, späterer Landesschulinspektor für Sonderschulen, maßgeblich beteiligt.  Als Direktor der Landessonderschule I in St. Isidor, stand er 10 Jahre lang auch der Expositur in Steegen vor, bis zu deren Verselbständigung im Jahre 1968.

 

 

 

In dieser Anfangszeit musste man oft mit provisorischen Verhältnissen zurechtkommen, man konnte nicht warten, bis alles perfekt gerichtet war, so viele Kinder standen auf den Wartelisten. Immer aber wurde schon vorausschauend geplant und gebaut; ein neuer Brunnen z.B., 68 m tief wurde gebohrt, und nicht zu früh, - denn plötzlich versagte die alte Anlage. Es gab kein Wasser im gesamten Gebäude, für 96 Kinder musste man Wasser vom Nachbarn holen. 1 Woche lang wurde nun fieberhaft bis zur Fertigstellung der neuen Wasserversorgung gearbeitet.

 

 

 

Neues Bettzeug, Tuchenten und Polster, nichts war selbstverständlich in dieser Zeit.

 

Verwaltung, Küche,  Schlaf- und Wohnräume und auch die Schulklassen, alles befand sich im Altbau auf engstem Raum verteilt.

 

 

 

Im Jänner 1960 wurde in Absprache von Caritas, Land OÖ und Landesschulrat die weitere Entwicklung von Heim und Schule geplant, es war ein langfristigesKonzept, gedacht war an ein Kinderdorf für ca. 300 schulpflichtige schwerstbehinderte Kinder. Der Ausbau sollte in mehreren Etappen erfolgen, der Bedarf war für Jahre voraus schon festgestellt, war doch St. Pius die einzige Schule für schwerstbehinderte Kinder in OÖ. In Hartheim wurde erst 1964 und in Gallneukirchen 1968 mit den ersten Sonderschulklassen begonnen.

 

Innerhalb eines Jahres, eine enorme Leistung damals, wurde das Schulgebäude I errichtet, sodass man das Schuljahr 1961/62 bereits mit 125 Kindern in 10 Klassen im neuen Schulhaus beginnen konnte.

 

 

 

Jedes Jahr zu Schulschluss wurde die Notwendigkeit einer Beschäftigungstherapie für Schulentlassene sichtbar und größer. Der menschenrechtliche Aspekt (Recht auf Bildung), der den Grundstein für die Entstehung sonderpädagogischer Betreuung an Schulen legte, war nun auch auf das Recht auf adäquate Beschäftigungsmöglichkeiten erwachsener Behinderter erweitert worden. Die Zeit war reif. Im ganzen Land entstanden nun vermehrt geschützte Werkstätten und Beschäftigungstherapie-Einrichtungen. 1976 - mit der Fertigstellung des Schulgebäudes II begann auch in St. Pius der Aufbau der Therapiewerkstätten.

 

In der Sonderpädagogik entwickelte man damals schon Alternativen zu den Spezialsonderschulen; in allen Bezirken entstanden an Allgemeinen Sonderschulen oder Volksschulen angeschlossene Klassen für geistig Behinderte mit dem Ziel, das Kind so lang wie möglich im Elternhaus zu lassen. Rahmenbedingungen hierfür mussten erst entstehen, ausgebildetes Personal und passende Schulausstattung, Schulbusfahrten und Mittagsbetreuung.

 

 Gleichzeitig mit der Absicht nach regionaler Beschulung wurde auch der Begriff „schulunfähig“ neu definiert. Nicht das Kind muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, sondern die Schule selbst muss Bedingungen schaffen, um jedes Kind (bis auf wenige Ausnahmen) im schulpflichtigen Alter aufnehmen zu können.

 

Seit Anfang der 80-er Jahre sank somit die Schülerzahl hier jährlich, sicherlich auch, weil sich die beiden Schulen Hartheim und Gallneukirchen, die nahe am Zentralraum von OÖ liegen, zu gleich großen Sonderschulen entwickelten.

 

Nun hat sich die Anzahl der behinderten Schüler zw. 50 und 60 eingependelt, etwa die Hälfte wäre noch vor Jahren als schulunfähig eingestuft worden. Dies hat natürlich auch Auswirkung auf die Arbeit in der Schule, aber auch in den Wohngruppen. Basale Förderung und Leben lernen, existentielle Grundbedürfnisse sichern, sind auch Unterrichtsinhalte. Eine Sanierung und Anpassung des Schulgebäudes an heutige Bedürfnisse ist deshalb unbedingt notwendig.

 

Es war klar, dass die anfängliche Planung, Heim und Schule für ca. 300 schulpflichtige Kinder zu bauen, nicht aufgehen würde.

 

 

 

Eine wichtige Hilfe für Eltern von behinderten Kindern aus der Umgebung war die Einrichtung eines heilpädagogischenKindergartens im Jahr 1983.

 

Ab Sommer 2002  wurde der Heilpädagogische Kindergarten wegen zu geringem Bedarf ruhend gestellt.

 

 

 

Seit 1988 gibt es auch einen Sonderhort für externe Schüler. Ihr Anteil nimmt ständig zu, heuer sind es bereits mehr als 40% aller behinderten Schüler. Und seit September 2003 werden Hortgruppen auch integrativ geführt.

 

 

 

1998 wurde das Schulgebäude I komplett saniert, den neuen Anforderungen entsprechend, und mit einem Zubau erweitert.

 

Schon 1 Jahr später, im Herbst 1999 konnte das neue Gebäude benützt werden. In diesem Jahr startete erstmals auch eine Integrationsklasse an der Johann-Eisterer-Landesschule.

 

Seither hat sich die Schule stark verändert: von den 100 Kindern werden ca. die Hälfte nach dem Volksschullehrplan unterrichtet. Es gibt viele Begegnungsmöglichkeiten und ein offenes Klima der Zusammenarbeit von behinderten und nichtbehinderten Menschen.

 

 

 

Schulleiter:                

 

LSI Dr. Johann Fuchs           1958 - 1968

 

OSR Sr. Herburga Schmid    1968 – 1974

 

OSR Ernst Schmidauer         1975 -  1994

 

OSR  Margarita Prokoph,      1995 -